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Nachtleben in der Krise

Urbane Praktiken und Räume des Feierns in der Pandemie


Projektleitung: Victoria Huszka M.A.
Projektbearbeitung: Jana Brass B.A.

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Auch in der Stadt als urbanem Vergnügungs-Zentrum, die das Forschungsfeld dieses Teilprojekts darstellt, verändern sich alltägliche Räume, Praktiken und Deutungen: Das Versprechen von Urbanität umfasst nicht zuletzt auch individuelle Freiheiten des Genusses und Vergnügens. Im Alltag vieler Menschen spielen in diesem Zusammenhang öffentliche Räume eine zentrale Rolle als Möglichkeitsräume, Aufenthalts- und auch Rückzugsorte. Maßnahmen des Infektionsschutzes treffen diese am härtesten, indem sie Körper, Praktiken und Räume reglementieren und kontrollieren. Insbesondere die Innenstadt wird so zum Un-Möglichkeitsraum, Rückzugsorte verschwinden, Aufenthalts- werden zu bloßen Durchgangsorten. Räume, Praktiken und Bedeutungen des ritualisierten aus-dem-Alltag-Ausbrechens, das Feiern für viele Menschen bedeutet, verschwinden oder verändern sich auch in der Stadt Bonn. Sie sind für viele Bonner*innen zu Gegenständen alltäglicher Aushandlungen geworden und nicht selten führt die Kollision von Bedürfnissen und Maßnahmen in diesem Zusammenhang zu Konflikten im verdichteten städtischen Raum.
Diese Transformationen urbaner Alltagskultur ereignen sich vor dem Hintergrund und im Zusammenhang mit vielschichtigen gesellschaftlichen Diskursen, die das Feiern in der Krise betreffen: “Corona-Parties” etwa waren im ersten Lockdown nicht selten Bestandteil reißerischer Schlagzeilen. Im Spätsommer und Herbst wurde vielfach über private Feiern als Treiber der “zweiten Welle” diskutiert – wogegen sich wiederum Stimmen erhoben, die die Vernachlässigung der Bedürfnisse insbesondere junger Menschen in der Pandemiebekämpfung anmahnten. Derzeit findet nun unter anderem eine Debatte über persönliche Freiheiten für Geimpfte statt, die auch gängige Räume und Praktiken des Feierns umfassen.
Die Fragen des Forschungsprojekts nach Transformationen urbaner Kulturen in Bonn in der Corona-Pandemie werden in diesem Teilprojekt auf Räume und Praktiken des Feierns angewandt. Die übergeordnete Forschungsfrage lautet dabei: Wie werden in der Corona-Pandemie alltagsweltliche urbane Räume in Bonn durch Praktiken des “Feierns” durch welche Akteur*innen (neu) konstituiert? Teilfragen der Forschung beziehen sich auf die Rolle von ästhetischem Erleben/ästhetischen Praktiken, sinnlich-körperlicher Wahrnehmung, Atmosphären, Emotionen, Ritualisierten Performanzen; auf das Verhandeln von Gemeinschaft; auf das (neue?) Verhältnis von Feiern und Spiel; auf Raumbegriffe und -logiken unterschiedlicher Akteur*innen und dadurch entstehende Konflikte; auf die Rolle des räumlichen settings Stadt und das Konzept Urbanität in der Pandemie; auf Legitimationen und Abgrenzungen bestimmter Akteur*innen; auf Inszenierungen von Erleben, Atmosphären, Emotionen etc. und deren (insbesondere digitale) Repräsentation. Bezogen auf viele dieser Aspekte wird außerdem gefragt: Welchen Dynamiken unterlagen sie vor der Pandemie und wie ändern sich diese Dynamiken im Zusammenhang mit der Krise?

Foto: Jana Brass, Bonn, Ende Oktober 2020

AUFRUF: Interviewpartner*innen

Wie feierst du / feiern Sie in der Pandemie?
Wie wirken sich das Infektionsgeschehen und die Schutzmaßnahmen darauf aus, wo, wie und mit wem du feierst / Sie feiern?
Dieser Aufruf richtet sich besonders an junge Erwachsene (ab 18).

Blogbeitrag

Die Mitarbeiter*innen des Forschungsprojekts haben drei Gastbeiträge auf dem Blog "Alltag in der Krise – die Krise im Alltag" des LVR-Instituts für Landeskunde und Regionalgeschichte veröffentlicht. Der Blogv ersammelt Beitrage, die den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf regionale Alltagskulturen im Rheinland nachgehen. Das LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte ist Kooperationspartner des Forschungsprojekts Bonndemic.

Feiern in der Pandemie. Von der Regulierung des Zufalls und der Sehnsucht nach dem Unvorhersehbaren
Im Beitrag von Jana Brass geht es um städtisches Nachtleben in der Krise: Was zeichnet die persönlichen Rituale, die häufig unter dem Begriff „Feiern“ zusammengefasst werden, aus? Und was vermissen Bonner*innen derzeit am meisten?

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