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DFG-Projekt Partizipative Entwicklung ländlicher Regionen | Participative Development of Rural Regions

Partizipative Entwicklung ländlicher Regionen. Alltagskulturelle Aushandlungen des LEADER-Programms der Europäischen Union

 

Laufzeit: 36 Monate
Projektstart: 01/2017
Projektleitung: Ove Sutter
Gefördert von Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) / German Research Foundation

 

Das Forschungsprojekt untersucht, wie das EU-Förderprogramm LEADER für den ländlichen Raum durch lokale Akteure umgesetzt wird, wie sich BewohnerInnen an der Umsetzung partizipativ beteiligen und wie sich die Maßnahmen auf die alltägliche Lebenswelt der lokalen Bevölkerung auswirken. Die Studie geht erstens davon aus, dass sich die konkreten Auswirkungen und Funktionsweisen von LEADER nur nachvollziehen lassen, wenn neben der Analyse von institutionellen Rahmenbedingungen und Policy-Diskursen auch die konkreten Beteiligungen, Umsetzungen und Auswirkungen im Alltag der lokalen Bevölkerung untersucht werden. Zweitens ist davon auszugehen, dass die lokalen Beteiligungen und Umsetzungen von LEADER grundlegend von alltagskulturellen Aneignungen und Übersetzungen des Förderprogramms geprägt sind, die sich teils widersprüchlich zu dessen Zielen verhalten. Den dritten Ausgangspunkt bildet die Annahme, dass Entwicklungsprogramme wie LEADER sich zweifach auf alltägliches Handeln auswirken: 1) auf politisches Alltagshandeln im Sinne einer zunehmenden partizipativen Ermächtigung des Individuums gegenüber dem Staat und supranationalen Institutionen sowie 2) auf die alltägliche Lebensführung im Sinne einer zunehmenden Ausrichtung an unternehmerischen und kompetitiven Logiken. Das ethnographisch und diskursanalytisch vorgehende Forschungsvorhaben soll zeigen, wie sich BewohnerInnen an der lokalen Umsetzung von LEADER-Projekten beteiligen, wie sie die Maßnahmen in ihre alltägliche Lebenswelt übersetzen und welche Auswirkungen diese Übersetzungen haben.

Die übergeordneten Leitfragen des Forschungsvorhabens sind, 1) wie sich BewohnerInnen ländlicher Gebiete an der lokalen Umsetzung von politisch-ökonomischen Entwicklungsmaßnahmen beteiligen, 2) wie sie die Maßnahmen in ihre alltägliche Lebenswelt übersetzen und 3) welche Auswirkungen diese Übersetzungen auf Formen alltäglicher Lebensführung, Sichtweisen und Deutungen sowie kulturelle Objektivationen haben.

Im Mittelpunkt des Forschungsprojekts steht die vergleichende ethnographische und diskursanalytische Untersuchung von drei benachbarten LEADER-Regionen in Nordrhein-Westfalen. Die übergeordneten Leitfragen des Forschungsvorhabens werden in diesen Regionen übergreifend in zwei Fallstudien untersucht.
Die erste Fallstudie erforscht die Planung und Umsetzung von Projekten zur Verbesserung der ökologischen Nachhaltigkeit. Hierzu gehören Projekte zur nachhaltigen Mobilität, zum alltäglichen Energieverbrauch, zur Bewusstseinsbildung im Bereich des Artenschutzes, zur Sicherung der Nahversorgung oder auch zur ökologischen Revitalisierung von Bergbau- und anderen Nutzflächen. Die zweite Fallstudie untersucht Entwicklungsprojekte, die den demographischen Wandel in den drei untersuchten Regionen bearbeiten. Dies umfasst z.B. Infrastrukturprojekte zur Verbesserung der Mobilität von SeniorInnen, Projekte zur Entwicklung generationenübergreifender Treffpunkte, zur Verbesserung der medizinischen Versorgung, zur Steigerung der Attraktivität der Regionen für junge Familien bis hin zur Integration von MigrantInnen.

Ziel ist es, in der Analyse von Policy eine Perspektive zu stärken, aus der heraus die lokalen und alltagskulturellen Umsetzungen und Aushandlungen von gouvernementalen Entwicklungsprogrammen wie LEADER mit in den Blick genommen werden. Außerdem soll die Studie einen empirisch fundierten Beitrag zur gesellschaftlichen Debatte über den gegenwärtigen Wandel alltäglicher Lebenswelten des ländlichen Raumes und über die demokratiepolitischen Auswirkungen aktueller partizipativer Governance-Formen leisten. 

 

DFG-LEADER-Projekt    

Poster zum DFG-Projekt präsentiert auf der internationalen Konferenz "New rural geographies in Europe: actors, processes, policies" im Thünen Institut für ländliche Räume Braunschweig am 14. Juni 2017

 

Participative development of rural regions. Everyday cultural negotiations of the European Union’s LEADER program

 

Duration: 36 months
Project launch: 01/2017
Project management: Ove Sutter
Funded by the Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) / German Research Foundation

 

Despite increasing processes of urbanization, a large part of the European Union’s population still lives in rural areas. Subject to pressure, these areas are defined as problematic in EU development programs regarding issues of demographic change, ecological sustainability, social cohesion, or economic growth. EU rural development agendas such as LEADER aim to address these deficits by calling upon local actors to develop rural areas’ endogenous resources, with the aim of enhanced economic competitiveness and a diversification of regional (socio-cultural) economies. In this process, the everyday world becomes an object of regional planning in a twofold manner: 1) The participatory “community-led local development”-approach of LEADER aims to mobilize residents by requesting them to get involved with the drafting and implementation of regional development projects. 2) LEADER policy measures aim to change aspects of everyday life by trying to foster civic engagement, strengthen regional identity and to develop regional networks. From the perspective of Cultural Anthropology, the project analyzes how the LEADER development program is implemented by local actors and in which ways it influences the everyday life of the population in rural areas.

The study works with two main hypotheses: 1) The effects and functional principles of LEADER can only be understood if the analysis of institutional frameworks and policy-discourses is supplemented by an analysis of the implementation process and the impacts on the everyday life of local populations. 2) The implementation of LEADER is shaped by processes of appropriation and translation of the development program in everyday culture, which can run counter to the goals of the program. Central questions of the project are how inhabitants participate in the implementation of LEADER-projects, how they translate development measures into their everyday world and which effects these translations can have on everyday life practices, points of views, perceptions as well as cultural expressions.

Two comparative ethnographic studies, building on multiple qualitative research methods, form the empirical basis of the project. They analyze local projects in two central policy areas of EU rural development: ecological sustainability on the one and demographic change on the other hand. The studies are carried out in three neighboring LEADER-regions within the same administrative district, so as to ensure comparability of the research findings.

The aim is to strengthen a perspective, which integrates the implementation and negotiation of development programs in the culture of everyday life into the analysis of policy. Further, the project aims to contribute to socio-political debates on rural areas and on the democratic potentials of participatory forms of governance in processes of Europeanization.

Keywords
EU development programs, rural areas, community-led, ecological sustainability, demographic change in rural areas, governance, policy analysis, regionalization, regional identity, participation

 



 

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