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Manuela Roth
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Produktionen kreativer Räume – Das Projektseminar im Wintersemester 2014

Leitung: Ove Sutter

Das Seminar nimmt seinen Ausgangspunkt an aktuellen Gesellschaftsanalysen, denen zufolge der sozioökonomische Wandel hin zu einer auf permanente Innovation ausgerichteten Ökonomie in westlichen Industriegesellschaften die Ausbreitung eines »Kreativitätsdispositivs« (Reckwitz) oder auch eines »Kreativitätsskripts« (Jamie Peck) befördere. »Kreativ« zu sein, werde an immer mehr Menschen in unterschiedlichesten sozialen Feldern als Anforderung herangetragen oder aber auch als »innerer« Wunsch erfahren. Ob in der Erwerbsarbeit, der Freizeit oder der Familie – zunehmend gehe es darum, sich selbst zu verwirklichen, zu verändern wie auch neue, insbesondere auch sinnliche, Erfahrungen zu machen und zu kreieren. Dabei werde »der Künstler« zum Leitbild der alltäglichen Lebensführung.

Auch für die Stadt wird »Kreativität« zunehmend zu einem zentralen Paradigma, das insbesondere aktuelle Stadtentwicklungskonzepte bestimmt, die auf die Transformation städtischer Räume hin zu einer »Creative City« (Landry; Florida) abzielen. Die Stadt soll hierbei zu einem attraktiven Lebensraum für hochwertige Diensttleistungsunternehmen der Kreativ- und Wissensökonomie, für kapitalkräftige BewohnerInnen wie auch TouristInnen umgestaltet werden. Gleichzeitig bemühen sich auch Regionen und Städte mittlerer Größe abseits so genannter »Global Cities« (Sassen) darum, ihre Attraktivität durch kulturelle Aufwertungen wie z.B. die Bewerbung um Kulturhauptstadt-Programme, kulturelle Festivals und »Events« oder auch die Umnutzung ehemals industrieller Anlagen als kulturelle Veranstaltungsräume zu erhöhen.

Das Seminar wird der Frage nachgehen, ob und wenn ja wie das proklamierte Kreativitätsdispositiv sich auf die »Produktion des Raums« (Lefèbvre) auswirkt, wie es die (Selbst-)Wahrnehmungen, Deutungen und Praktiken sowie die Lebensführungskonzepte der BewohnerInnen und NutzerInnen, aber auch die architektonischen Arrangements prägt. Dabei knüpfen wir an ein theoretisches Raumverständnis an, demnach der »Raum« nicht einfach vorhanden ist, sondern erst unter historisch gewordenen sozialen Verhältnissen von sozialen Akteuren produziert sowie in konfliktiven Auseinandersetzungen ausgehandelt wird (vgl. Mayer; Rolshoven).

Das Seminar dient dem Einstieg in das Forschungsprojekt zur Masterarbeit. Das Thema »Produktionen kreativer Räume« bildet dabei eine übergeordnete inhaltliche Klammer, an der sich die TeilnehmerInnen beim Entwurf ihres individuellen Projekts orientieren. In der ersten Phase des Seminars werden wir uns in relevante Literatur zur Theorie und Methode zum übergreifenden Thema einarbeiten. In einer zweiten Phase werden wir dann in den Entwurf und die Diskussion der individuellen Projekte einsteigen. Schließlich werden wir uns in einer dritten Phase der Diskussion erster Projektergebnisse widmen.
 

Literatur:
Landry, Charles: The Creative City – A Toolkit for Urban Innovators. London 2000.

Lefébvre, Henri: Die Produktion des Raumes (1974). In: Dünne, Jörg / Günzel, Stephan (Hg.): Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften. Frankfurt/Main 2006, S. 330–343.

Mayer, Margit: First world urban activism. In: City 17 (2013) 1, S. 5–19.
Merkel, Janet: Kreative Milieus. In: Frank Eckardt (Hg.): Handbuch Stadtsoziologie. Wiesbaden 2012, S. 689–710.

Peck, Jamie: Das Kreativitätsskript. In: Eurozine (2008). Online unter http://www.eurozine.com/articles/2008-11-19-peck-de.html [Stand 2014].

Reckwitz, Andreas: Die Erfindung der Kreativität. Frankfurt a.M. 2012.

Rolshoven, Johanna: Zwischen den Dingen: der Raum. Das dynamische Raumverständnis der empirischen Kulturwissenschaft. In: Schweizerisches Archiv für Volkskunde 108 (2012), S. 156-169.

Willis, Paul: Kulturelle Waren, symbolische Arbeit und eine Hegemonie in Bewegung. In: Peter Bescherer, Karen Schierhorn (Hg.): Hello Marx. Zwischen »Arbeiterfrage« und sozialer Bewegung heute. Hamburg 2009, S. 149-174, 149.

 

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