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Abteilung Kulturanthropologie/
Volkskunde

Am Hofgarten 22
53113 Bonn
III./IV. Etage


Geschäftszimmer

Manuela Roth
E-Mail: kulturanthropologie [at] uni-bonn.de
Tel.: +49 (0)228 73-7618

 

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Lehrforschungsprojekte

 

Das LVR-Freilichtmuseum Kommern als Labor der Aushandlung von Ländlichkeit

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Der ländliche Raum ist in gegenwärtigen gesellschaftlichen Debatten Adressat von widerstreitenden Zuschreibungen. Auf der einen Seite wird er medial – in Formaten wie "Landlust" oder "Deutschland deine Dörfer" – zum nostalgisch verklärten Fluchtpunkt und Sehnsuchtsort für gestresste Städter sowie Touristen stilisiert und als Gegensatz zu urbaner Hektik, Enge und Verschmutzung in Stellung gebracht. Auf der anderen Seite ist Ländlichkeit jedoch auch verbunden mit Bildern der Landflucht, dem Ärztemangel oder der Überalterung von Dörfern. So wird der ländliche Raum auch in politischen Strukturfördermaßnahmen unter Gesichtspunkten des demographischen Wandels, der Armutsbekämpfung, des sozialen Zusammenhalts, der wirtschaftlichen Entwicklung oder auch des Umgangs mit Ressourcen einerseits als Problem definiert und andererseits als Potenzial gerahmt, um diesen und anderen gesellschaftlichen Herausforderungen entgegenzuwirken. Ebenso zu nennen sind Ansätze einer "neuen Ländlichkeit", die sich aus einem urbanen Verständnis von Ländlichkeit als Ressource entwickelt hat. In diesen gesellschaftlichen Debatten werden Vorstellungswelten, das heißt Imaginationen und Darstellungsweisen des Ländlichen entworfen, die ländliche Alltagswelten zwar prägen, sich in diese jedoch nicht widerspruchslos einpassen und auch in Konflikt stehen. "Ländlichkeit" lässt sich nicht eindeutig verorten. Sie ist zum einen eine raumpolitische Ordnungskategorie, über die der ländliche Raum anhand von Kategorisierungen – vergleichsweise dünne Besiedlung, ein eng verknüpftes soziales Leben, Bedeutsamkeit von natürlichen Ressourcen – definiert werden kann. Zum anderen ist Ländlichkeit ein soziokulturelles Konstrukt, das eben nicht nur auf "räumliche Anbindungen", sondern vielmehr auf "Zuweisungen, Vorstellungen und Praktiken" basiert. Das kooperative zweisemestrige Lehrforschungsprojekt widmet sich der Frage, welche Vorstellungen von Ländlichkeit sich in aktuellen gesellschaftlichen Aushandlungsprozessen formieren. Dabei erweitert es die aktuellen medial und politisch geführten Debatten, indem es seinen Fokus auf die alltagsweltlichen Aushandlungen der Vorstellung von Ländlichkeit richtet. Es soll von Oktober 2016 bis September 2017 durchgeführt werden.

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Kooperationspartner: Das LVR-Freilichtmuseum Kommern mit seiner Verankerung in der Region und der damit verbundenen Popularität sowie seiner konzeptionellen Offenheit für die Darstellung aktueller Dynamiken des Wandels ländlicher Lebenswelten ist der ideale Ort, um aktuelle Inszenierungen und Aushandlungen von Ländlichkeit zu erforschen. Programmatisch definieren wir das Freilichtmuseum in diesem Sinne als "Labor" in dem Studierende, MuseumsmitarbeiterInnen und BesucherInnen gemeinsam den Fragen danach, was "Ländlichkeit" heute ist, nachspüren. Im Labor werden der ländliche Strukturwandel, Projekte der LeaderRegion Eifel, ästhetisch-nostalgische Inszenierungen von Landschaft, neue politische Handlungsformen und Formen des bürgerschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Engagements oder auch Narrative von Ländlichkeit untersucht. Das Lehrforschungsprojekt wird im Rahmen der Regionalen Kulturförderung vom Landschaftsverband Rheinland unterstützt.

 

GartenKultur von Subsistenzwirtschaft, politischer Partizipation und LandschaftsgestaltungGartenKulturLogo.png

Ein wachsendes ökologisches Bewusstsein sowie die zukünftig immer prekärer werdende Ernährungslage auf der Welt zeigen, ebenso wie die Do it yourself-Bewegung, dass das Thema Garten/Gardening aktuell gesellschaftlich in ganz verschiedenen Diskursen verhandelt wird. Die Diskussion um die Natur – Kultur Beziehung aber auch die Relevanz der Natur im Stadtraum im Sinne einer grünen Stadt ist ebenso eine historische, wie sie in der Betrachtung von Gruppen und Konzepten wie Transition Town, Urban Gardening, biologischer Anbau oder Gemeinschaftsgarteninitiativen aktuell deutlich wird. Das Thema Garten - in einem erweiterten Verständnis - ist demnach allgegenwärtig. 

Flyer GartenkulturLVR-Schutzzone außen.jpg     Flyer GartenkulturLVR-Schutzzone innen.jpg

In dem einjährigen Studienprojekt im Modul "Dynamiken kultureller Räume" (WS 2015/16, SoSe 2016), welches von Andrea Graf geleitet wurde, beschäftigen sich die Studierenden in eigenen kleinen Forschungsprojekten mit den verschiedenen Diskursen und Akteur_innen um das Thema Garten und Grünflächen. Die Themen und Fragestellungen haben dabei sowohl einen historischen als auch aktuellen Fokus. So wurde zum Bonner Hofgarten, Kloster- und Schlossgärten, der Bedeutung von Garten im Museum oder der Nachkriegszeit ebenso geforscht wie zur Selbstversorgung heute.  

Flyer StadtLandGarten-001.jpg

Zur Präsentation ihrer Forschungsergebnisse erstellten die Studierenden ein eigenes Webportal, auf dem alle Texte nachzulesen sind. Das Lehrforschungsprojekt fand in Kooperation mit dem LVR-Industriemuseum Euskirchen statt. 

Hier beteiligten wir uns an der laufenden Wanderausstellung "Stadt, Land, Garten. Zur Kulturgeschichte des Nutzgartens". Flyer StadtLandGarten-002.jpgDie Mitarbeit an der Erweiterung der Ausstellungsinhalte, insbesondere die Erarbeitung einer Filmcollage zum Thema "Zukunft des Gartens", welche in der Ausstellung gezeigt wird, bildete dabei einen weiteren Schwerpunkt der Projektarbeit. 

Weitere Informationen zur Ausstellungseröffnung am 8. Mai 2016 finden sie hier:
Radiobeitrag zur Ausstellungseröffnung WDR 5 Scala 
Zeitungsartikel zur Ausstellungseröffnung General Anzeiger
 

Dörfer im Fokus - Skizzen über Veränderungsprozesse im ländlichen Raum

Im Sommersemester 2015 unternahmen die Studierenden im Rahmen der Lehrveranstaltungen von Valeska Flor und Andrea Graf im Modul "Lokal Global. Regionalspezifische Kulturen" eine mehrtägige Feldforschung in den ländlichen Raum des Rheinlands. Dabei konnte das Alltagsleben in den Dörfern Erp (Erftstadt) und Immerath (Erkelenz) mit den Methoden der teilnehmenden Beobachtung, durch Wahrnehmungsspaziergänge, Mental Maps und Interviews mit den Bewohner_innen untersucht werden. Erftstadt-Erp ist ein gewachsenes Dorf und steht damit im Kontrast zu Immerath, welches von der Umsiedlung im Rahmen des Braunkohletagebaus Garzweiler II betroffen ist. Im Rahmen der Feldforschung wurde so neben Immerath (neu) auch der Altort, welcher bis 2017 abgerissen werden soll, sowie der Tagebau besucht. Alltagsheft Cover.jpg
Trotz dieser sehr verschiedenen Ausgangslage traten bald Forschungsthemen heraus, die für beide Orte Relevanz besitzen und dort aktuell verhandelt werden: Kirche und christlicher Glaube, Vereinsleben und -sterben, Schützentradition, Landwirtschaft sowie wichtige Orte im Dorf. Die Essays, die zu diesen Themenbereichen entstanden sind, zeigen die unterschiedlichen Umgangsweisen und Handlungsstrategien der Akteur_innen aus den beiden Dörfern auf und weisen damit auf aktuelle Transformationsprozesse im ländlichen Raum hin. Das Studienprojekt wurde in Kooperation mit dem LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte durchgeführt, in dessen Reihe "Alltag im Rheinland" die Forschungsergebnisse als Sonderheft im Januar 2016 veröffentlicht wurden. Das Sonderheft als pdf finden sie hier.       

 

Räume | Dinge | Menschen
Eine Bonner Kulturwissenschaft im Spiegel ihrer Narrative

Die "Bonner kleine Reihe zur Alltagskultur" präsentiert in Ihrem 10. Band die Ergebnisse eines mehrjährigen studentischen Lehrforschungsprojekts unter der Leitung von Katrin Bauer und Lina Franken. Es wurde mit qualitativ-empirischen Methoden danach gefragt, inwieweit die Geschichte und Geschichten des Fachstandorts Bonn über einen Ort der Lehre und Forschung hinausweisen. räume-dinge-menschenDurch zahlreiche (bewegte) Interviews mit Mitarbeiter_innen und Studierenden der letzten 40 Jahre konnten Beziehungen von Räumen, Dingen und Menschen in den Blick genommen werden.
Neben Erinnerungen an offene und geschlossene Türen, werden Aneignungen und Ritualisierungen im Universitätsalltag thematisiert, wie auch herausgearbeitet, welche Rechtfertigungsgeschichten und Beheimatungen mit dem Fach verbunden werden und wie Räume samt ihren Dingen und Erzählungen zu individuellen Erinnerungsorten und prägenden Standorten von Identitätskonstruktionen wurden. Zusätzlich zur Buchpublikation entstand innerhalb einer Lehrveranstaltung im WS 14/15 unter der Leitung von Andrea Graf eine kleine Ausstellung "in situ", in den Räumen der Abteilung, mit den und über die thematisierten Objekte aus den Erzählungen.

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