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Online-Vortrag: Moritz Ege: Vom guten Leben zum bloßen Überleben? Stadtethnologische (Fern-)Beobachtungen urbaner Ethiken in der Pandemie

Kurzübersicht
Art des Termins
    Wann 13.01.2021
    von 18:15 bis 19:15
    Wo Zoom
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    iCal


    13.01.2021, 18:15 – 19:15 Uhr, Online Vortrag 

    Prof. Dr. Moritz Ege (Universität Göttingen)

    „Vom guten Leben zum bloßen Überleben? Stadtethnologische (Fern-)Beobachtungen urbaner Ethiken in der Pandemie“

    In der aktuellen Situation sehen sich Stadtbewohner*innen nicht nur mit neuen Anforderungen in Schule, Beruf, Familie/Sorgearbeit usw. konfrontiert, sondern auch mit einer Vielzahl von Anrufungen: Sie sollen Rücksicht nehmen und Abstand halten, sich nicht mit zu vielen Menschen treffen, sie sollen lokale Gewerbetreibende und Kunstschaffende unterstützen, sich mit ihren Nachbar*innen vernetzen, um für Schwache zu sorgen u.v.a.m. Selten wurde – von staatlichen Stellen, aber auch vielen anderen Akteur*innen – derart massiv versucht, zu ethischem, also gutem und richtigem Verhalten zu animieren. Dies geschieht mit einer je nach Kontext unterschiedlichen Mischung aus moralischen Appellen, sozialem Druck und polizeilich durchgesetztem Zwang. So nimmt die Frage nach Möglichkeiten und Grenzen solcher Appelle, die die Sozial- und Verhaltenswissenschaften schon lange beschäftigt, derzeit sehr viel Raum in Alltagsgesprächen und öffentlichen Debatten ein – während sich gleichzeitig selbstbewusst anti-moralische bzw. anti-moralistische Gegenbewegungen formieren. In Ländern, in denen soziale Sicherungssysteme schwach ausgeprägt sind und Regierungen die Gefährlichkeit des Virus lange Zeit herunterspielten, erfahren solche Aufrufe eine besondere Aufladung. Was ist schließlich verwerflicher als das „Sterbenlassen“ der Stadtbevölkerung? Das gilt auch für die USA und New York City, einen frühen Schwerpunkt der Pandemie. Hier entstanden während der ersten Covid-19-Welle vielfältige Initiativen zur gegenseitigen nachbarschaftlichen und stadtviertelbasierten Hilfe, die einer wachsenden food insecurity Abhilfe schaffen, aber auch das Versagen von Staat und Markt skandalisieren und – ganz im Sinne von ethnologisch-aktivistischen Theorien sozialer Kreativität – alternative städtische Institutionen errichten sollen, in denen ethische Impulse für ein besseres städtisches Leben und radikale politische Bewegungen zusammenfinden. Der Vortrag stellt Beobachtungen über solche Initiativen und die Dynamiken der Ethisierung und Politisierung städtischen Lebens zur Diskussion. „Urbane Ethiken“, also Programmatiken für und Auseinandersetzungen um das gute und richtige städtische Leben, stehen generell unter Ideologieverdacht (sie seien nur ein Distinktionsmittel wohlmeinender Mittelschichtsangehöriger, das an der Oberfläche der städtischen Machtverhältnisse bleibt usw.) bzw. werden von Kritiker*innen als typische Phänomene einer postpolitischen Ära gedeutet, in der Konsensbildung und Ästhetisierung eine grundsätzlichere Infragestellung urbaner Verhältnisse ersetzt zu haben scheinen. Inwiefern sich diese Konstellation im Kontext der Pandemie zumindest zeitweise anders darstellt, soll im Vortrag nachgezeichnet werden – unter den methodischen Bedingungen einer Beobachtung aus der Distanz.

    Hinweis zu Anmeldung und Teilnahme:

    Alle Vorträge finden online via Zoom statt. Zur Teilnahme melden Sie sich bitte unter vortragsreihe [at] uni-bonn.de unter Angabe des Vortrags bis spätestens einen Tag vor der Veranstaltung an. 
    Sie erhalten den Einladungslink zum Vortrag per Mail. 
    Außerdem erhalten Sie ein Thesenpapier, mit der Bitte, es in Vorbereitung auf die gemeinsame Diskussion zu lesen.


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